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Wir fackeln am Morgen nicht lange, das Frühstück wird verschoben auf später, schnell alles eingepackt und auf zu Game Drive und zur Weiterfahrt nach Mata Mata. Wir fahren wieder beim Wasserloch Marie se Draai vorbei, die Löwen sind weg. Klar, das war zu erwarten. Eine Herde Gnus, oder Wildebeests, säumen den Straßenrand. Die Tiere laufen ja im Etosha NP, bzw. in der freien Wildbahn zusammen mit Zebras. Die gibt es hier leider nicht. Dafür sieht man die Wildebeests oft mit den Springböcken oder alleine unterwegs. Die urtümlichen Viecher sind so taub, dass man hupen muss, damit sie von der Straße gehen. Sie lassen sich auch beim Fressen nicht stören und grasen weiter, auch wenn man 2 m neben ihnen anhält. Ein paar Kilometer weiter sehen wir Bee Eater, kleine bunte Vögel, auf der Jagd und im Baum. Was für ein Kontrast, der grün gelb blaue Vogel gegen den strahlenden blauen Himmel. Es sind Swallowtailed Bee Eater, also mit einem Schwalbenschwanz ausgestattete, nur 22 cm große Vögelchen, hier im Baum lebt ein Pärchen, sie sind aber auch in Kolonien unterwegs. Doch hier im kargen Kgalagadi NP werden die Vögel meist nur in Paaren leben, denn die Ressourcen sind knapp, auch der Vorrat an Bienen, Fliegen und anderen Insekten. Wir beobachten sie eine Weile, es ist schon halb 9, dann fahren wir weiter zum Rastplatz am Wasserloch Dikbaardskolk, um da zu früh- stücken. Dikbaardskolk ist Afrikaans und bedeutet soviel wie Dickbaards (Buschiger Bart) Rastplatz während der Löwenjagd. Es könnten aber auch die buschigen S hepards Trees gemeint sein, die ungemein dichten Schatten werfen, in dem es bis zu 20° kühler sein kann, als in der Sonne. Leider finden wir weder Löwen noch Leoparden. An einem der vier Picknickplätze soll sich ab und zu ein Leopard hinter den Toilettenhäuschen verstecken und so manchen Touristen erschrecken. Naja, als ob ein Leopard hier im Nossob Valley nichts besseres zu tun hätte! Wir biegen ab in die längere, nördliche Dünenstrasse. Ein Tawny Eagle zieht seine Kreise am Himmel und ich kann ihn unterhalb des Mondes fotografieren. Schon wieder dieses intensive Blau des Himmels. Es ist aber auch ganz schön heiß heute, keine Wolke zeigt sich am Himmel. Wir haben die Klimaanlage ausgeschaltet und die Fenster geöffnet, durch den Fahrtwind kommt zwar auch viel Staub rein, aber das Auto muss eh grundgereinigt werden. Es ist im Oktober hier immer noch Frühling, und wir dürften unter 35° haben. Ein Red Hartebeest, ein Kuhantilopen-Bulle beäugt uns argwöhnisch. Der bis zu 220 kg schwere Bulle beschützt seine Herde, indem er sich hinkniet und den Gegner von unten her angreift. Die relativ unbekannten Tiere leben in Familienverbänden mit einem mächtigen Leitbullen oder in Junggesellenherden mit verschiedenen Männchen. Im weiteren Verlauf der Dünenstrasse treffen wir verschiedentlich auf Oryxe, einzel, Im Familienverband mit hübschen, noch braunen Kälbchen, aber auch diese haben schon Hörner. Diese Familie hat gleich 3 Stück dabei. Nach einiger Zeit werden sie die graue Farbe der Erwachsenen angenommen haben. Nur wenig später treffen wir auf solch einen Oryx-Youngster mit der typischen grauen Fellfarbe. Irgendwie scheinen sich die Oryxe zur Zeit lieber in den Dünen auf zu halten. Beim nächsten Stop am Wasserloch treffen wir gleich eine Oryx-Herde von über 20 Tieren an, die um den Tank herum stehen, einige kämpfen spielerisch und wir schauen auch ihnen eine Weile zu. Es ist schon erstaunlich, was für eine beruhigende Wirkung die Natur dieses Parks auf uns hat. Der Kgalagadi ist etwas ganz besonderes, auch wenn es weder Elefanten, noch Zebras, noch Büffel gibt. Aber es gibt Giraffen, es sind sogar etwas mehr als 35 Stück. 1990 wurden 9 Giraffen aus dem Etosha National Park in den Kgalagadi relocated. Acht Jahre lang wurden die drei Bullen und fünf Kühe in einem separaten Gehege bei Mata Mata gehalten und im Juli 1998 wurden sie dann in den Park entlassen. In der Zwischenzeit kamen dann 2003 noch zwei jüngere Bullen dazu. Die Giraffenherde soll sich perfekt an die Lebensweise im Park angepasst haben, auch wenn ihre Hauptnahrung, die verschiedenen Acacia-Arten wie Dorn-Akazien, hier relativ niedrig wachsen. Wir sind kaum an Urikaruus vorbei auf der Straße nach Mata Mata, da treffen wir auch schon die ersten Giraffen. Nach den Loops zum dreizehnten und vierzehnten Bohrloch (Dertiende und Veertiende Borgat), gleich bei Dalkeith, stehen noch mal welche, wie bestellt für uns da. Neugierig beäugt man uns. Auch heute haben wir weniger als 5 Autos gesehen. Kein Wunder, dass die Tiere so entspannt sind. Wir sind es auch und um 13 Uhr checken wir in Mata Mata ein. Das Chalet ist schnell bezogen, hier gibt es noch nicht mal Schlüssel. Daran muss man sich erst mal gewöhnen, wenn man aus Europa kommt und immer misstrauisch ist. Wir halten einen bisher sehr seltenen Mittagsschlaf und gehen anschließend in den Swimming-Pool, ist das ein Vergnügen. Danach erteilt uns Familie Hörnchen, auch genannt Ground Squirrel, eine Lehre zu Thema “Das Füttern von Wildtieren”: Kaum sind uns aus Versehen ein paar Erdnüsse hinuntergefallen, versammelt sich die komplette Familie mit Nachwuchs auf unserer Chalet-Veranda. Da wir ja freiwillig keine Wildtiere und schon gar keine putzigen Squirrel füttern, verzieht sich die Familie so langsam wieder. Die niedlichen Tiere haben rings ums Chalet viele Gänge gebaut und sind dementsprechend hungrig. Bei den Bautätigkeiten kann man ja nicht noch zusätzlich für Futter sorgen! Die buschigen Schwänze dienen den Hörnchen nicht nur zum Signalisieren und zum Schattenspenden, man kann auch hervorragend darauf sitzen und dabei noch fressen. Also kaum sind die zufällig heruntergefallenen Erdnüsse verzehrt oder in den Backentaschen verstaut, stellt sich Mama Squirrel empört auf die Veranda-Stufe und schimpft uns fürchterlich aus. Sie entwickelt sich zu einer Furie. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Tiere mit weiteren Erdnüssen zu beruhigen und sie damit auch weiter von der Türe wegzulocken um diese dann schnellstens hermetisch zu ver- schließen. Wir lachen Tränen, eigentlich ist es ja verboten, sie zu füttern, aber wer kann da schon widerstehen ???? Wir machen noch einen kurzen Sunset Drive und finden tatsächlich in der Nähe des Wasserlochs Craig Lockhart zum dritten Mal in drei Tagen eine große Löwenfamilie im Schatten eines Baumes. Leider sind sie viel zu weit weg, um ein vernünftiges Foto zu machen und außerdem ist es ihnen anscheinend noch viel zu heiß, um sich unnötig zu bewegen. Wir beobachten sie aber dennoch durchs Fernglas. Einige Autos fahren an uns vorbei, ohne die Löwen zu entdecken. Wir können sehen, dass sie ihr Köpfe, trotz der Entfernung, immer wieder in unsere Richtung drehen. Nach über einer Stunde hat sich beim Löwenrudel aber immer noch nichts getan und so fahren wir, wie immer glücklich über die Sichtung, zurück ins Camp. Zur Belohnung gibt es noch einen unschlagbaren Sonnen- untergang und ein wieder leckeres Abendessen. Nur noch eineinhalb Tage und zwei Nächte haben wir hier, nach fast zwei Monaten unterwegs durch Afrika. So ganz können wir es immer noch nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich lese noch etwas im Bildband Kalahari, Survival in a Thirstland Wilderness, ich habe mir das Buch im Shop von Mata Mata gekauft. So minimalistisch die Shops im Park auch sind, mit Büchern sind sie gut ausgestattet. Das Buch ist fantastisch, die Bilder beneidenswert und es wird uns klar, dass wir hier nicht zum letzten Mal gewesen sind. So viel gibt es noch zu entdecken. Porcupine, Aardvark, Suricate, Warthog, Honey Badger, Bat-Eared Foxes, Cape Foxes, also Stachelschwein, Erdferkel, Meerkatze, Warzenschwein, Honigdachs, Löffelhund, Kapfuchs, um nur einige zu nennen, haben wir hier im Park überhaupt noch nicht gesehen, auch die Cheetas und Leoparden noch nicht. Ob es wohl lange dauern wird ?
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