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Früh morgens düst Gil mit seinem klapprigen Toyota auf das Gelände und bringt uns unsere geladenen Akkus zurück. Da es auf dem Mesosaurus Camp nur 12 V über Solarplatten gibt, hatte er sie mit zu sich nach Hause genommen. Die Menschen hier im südlichen Afrika sind oft viel hilfsbereiter als in Europa.... Wir verabschieden uns, denn Gil fährt für ein paar Tage in Richtung Cape Town. Den Schlüssel sollen wir grad stecken lassen. Uns hat immer wieder überrascht, wie sicher das Leben auf dem Land in Südafrika und Namibia ist. Oft waren die Hütten oder Chalets gar nicht abgeschlossen und auch die Privatwohnungen waren selten verbarrikadiert, wie man es doch eigentlich erwartet hätte.
Wir lassen uns noch Zeit, denn heute wollen wir nur 200 km bis zum Fish River Canyon fahren. Dort haben wir für 2 Nächte auf der Campsite reserviert. Der größte Canyon Afrikas und der zweitgrößte der Welt ist 160 km lang, bis zu 27 km breit und 550 m tief und Teil des Ai-Ais / Richtersveld Transfrontier Nationalparks. Man darf leider nur von Mai bis Mitte September (mit einer geführten Tour) in den Canyon hinunter. Danach ist es bis zu 50° heiß und damit zu gefährlich. In Keetmanshoop kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein. Die Strecke zum Canyon führt über flaches Land und ist furchtbar langweilig. Das einzige Highlight sind zwei Kids mit einem selbstgebastelten Drahtauto, die sich mimisch mit einem Mobiltelefon unterhalten. Im Hobas Restcamp angekommen, sieht man immer noch nur ein paar Hügel in der Ferne. Das Restcamp ist mehr als heruntergekommen. Angeblich soll es renoviert worden sein, aber außer ein paar neuen, futuristischen Waschbecken ist nichts davon zu sehen. Na ja egal, wir sind ja wegen des Canyons und wegen der heißen Quellen in Ai-Ais hier. Ich zahle den Parkeintritt für die zwei Tage, immerhin N$ 330,- für ein Auto und zwei Personen. Der Campingplatz kostete für zwei Nächte noch einmal N$ 300,- für uns und musste im Voraus bezahlt werden. Das Personal ist gelangweilt und keiner hat es nötig uns zu mitzuteilen, dass der Generator bis 18 Uhr abgestellt ist. Das sagen uns dann die Camp-Nachbarn. Nur durch einen dummen Zufall frage ich an der Rezeption, ob das Permit auch für Ai-Ais gilt, da bekomme ich gesagt, dass ganz Ai-Ais wegen Renovierung geschlossen sei und man nicht hinein könne. Dass das Restcamp geschlossen ist, wurde mir bei der Reservierung auch mitgeteilt, man könne aber in Hobas übernachten und dann die 70 km zu den heißen Quellen fahren. Ich frage noch mal, ob das Restcamp gemeint sei, nein, es werde überall renoviert und man käme überhaupt nicht hinein. Zuerst schlucke ich das mal so, nach fünf Minuten gehe ich aber zurück und fordere meinen Eintritt für den zweiten Tag zurück. Nach einigem Zögern rückt der Beamte N$ 160,- wieder heraus, er ist sichtlich genervt. Und ich bin wütend. Ai-Ais wäre für mich ein Highlight gewesen. Für meine chronischen Rücken- schmerzen wäre ein Bad im Thermalwasser, reich an Sulfaten, Chloriden und Fluoriden, ein Segen. Nur deshalb haben wir zwei Nächte gebucht. Und auf den Kgalagadi Transfrontier National Park verzichtet. Zunächst aber fahren wir zum Fish River Canyon. Es ist Nachmittag und super heiß. Man kann verstehen, warum um diese Jahreszeit niemand in den Canyon darf, wenn es hier oben schon solche Temperaturen hat. Am Aussichtspunkt gibt es den ersten Fotostop. Im Canyon gibt es nur ein paar Pfützen. Das ist meist Grund- und ein wenig Regenwasser, denn durch den vor dem Canyon liegenden Hardap-Damm ist der Wasserzufluss in den Canyon minimal. Das bedeutet auch, dass sich der Canyon nicht mehr stark verändern wird (wie z.B. Victoria Falls, wo sich die Fallkante durch das Wasser verschiebt) und auch die Vegetation im Canyon wird sich verändern. Es sollen aber noch einige Antilopen-Arten und Leoparden im Canyon leben. Wir stehen oben am Canyon und so langsam reift der Entschluss, doch noch in den Kgalagadi Transfrontier National Park zu fahren. Durch den wegfallenden Tag in Ai-Ais hätten wir vier Tage dafür, wenn wir den geplanten “Putz-Tag” auf ein paar Stunden verkürzen. Nun also schnell auf den 4 x 4 Trail, der sich oben am Canyon entlang schlängelt. Die Fotos werden nicht optimal, eigentlich wollte ich am nächsten Morgen noch mal hier her, aber was soll’s. Der Kalagadi wartet! Und ich bin happy.... Den Allrad-Antrieb brauchen wir nicht, aber die scharfen Steine kosten uns einen Reifen. Entlang am Canyon stehen einige dekorative Köcherbäume in allen möglichen Stadien des Verfalls. Der Canyon an sich ist grandios. Man kann die Länge nur erahnen. Was für eine Gewalt das Wasser doch hat. Da die Größe des Canyons nicht allein durch Erosion zu erklären ist, vermutet man, dass sich vor etwa 500 Millionen Jahren durch die Bewegung der Erdkruste ein Tal in Nord-Süd Richtung gebildet hat, in das der heute 650 km lange Fish River dann sein Bett gelegt hat. In immerhin 50 Millionen Jahre, als der Fluss noch mehr Wasser führte als heute, grub er sich dann immer tiefer in das Gestein. Einige durch Geologen freigelegte Schichten am Grund des Canyons wurden auf ein Alter von bis zu 1,8 Milliarden Jahre geschätzt! Die 25 km lange Straße zieht sich hin und es gibt mehrere Stichstrassen zum Canyonrand hin. Wir fahren bis zum Ende, dann geht es wieder zurück. Viele Stellen des Canyons sind trocken. Die Canyonwände fangen langsam an, in allen möglichen Farben zu leuchten. Nach über 4 Stunden sind wir zurück auf der Campsite und planen aufgeregt die Route für den nächsten Tag. Die Reiseführer werden gewälzt. Leider steht überall drin, dass Mata Mata (das namibische Eingangstor zum Kgalagadi Transfrontier NP) noch nicht geöffnet sein soll. Die Karte von Tracks4Africa ist auch nicht sehr hilfreich, aber es werden mit Sicherheit über 600 km werden und so gehen wir früh ins Bett, um am nächsten Morgen bei Toröffnung die Ersten am Gate zu sein. Der morgendliche Fototermin am Fish River Canyon muss leider ausfallen. Macht aber nichts, denn wir sind froh, von der mückenverseuchten, dreckigen Campsite weg zu kommen! Nach einer kurzen Nacht fahren wir ohne Frühstück um 6 Uhr erwartungsvoll los in den Kgalagadi Transfrontier National Park.
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