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Southerndreams-Tour 2008

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Lüderitz und die Geisterstadt Kolmannskuppe - 16. und 17. Oktober 2008

Picture (c) BeeTee - Shark IslandThe „one of the most scenic roads of Namibia“ führt über 100 km bis kurz vor Lüderitz immer kerzengeradeaus und ist eigentlich ziemlich langweilig. Mit scenic hat das unserer Meinung nichts zu tun. Leider bekommen wir weder weitere Pferde noch Hyänen oder Oryxe zu sehen, wie auf den vielen Schildern abgekündigt. Nach der Geisterstadt Kolmannskoppe, die links vom “Highway” B 4 aus gut zu sehen ist, wird der Wind stärker und es gibt vereinzelt Sand auf der Straße, der sich zu tückischen kleinen Dünen aufhäuft, die man aber erst sehr spät sieht und durch die man gezwungen ist, langsam zu fahren. Ein LKW mit Schieber Picture (c) BeeTee - Lüderitzsteht bereit, die Straße zu räumen, wie in Europa ein Schneeräumgerät und am nächsten Morgen ist vom Sand nichts mehr zu sehen. Kurz vor Lüderitz glaubt man, durch eine Mondlandschaft zu fahren, die Gegend ist kahl und unwirtlich, der Wind bläst nun, am Nachmittag, sehr stark. In Lüderitz angekommen fahren wir zunächst zu unserer Campsite auf der Halbinsel Shark Island, erst einmal müssen wir noch N§ 30,- Eintritt bezahlen. Wir sind kurz in Versuchung uns etwas anderes zu suchen. Die Halbinsel vor Lüderitz ist landschaftlich unglaublich schön gelegen ohne Zweifel, aber die sanitären Anlagen sind völlig heruntergekommen und der Wind bläst fürchterlich kalt und stark. Picture (c) BeeTee -Agate Beach LüderitzDer Ranger versichert uns aber, sobald die Sonne untergehe, wäre es windstill. Wir machen den Fehler und glauben ihm. Wir schauen uns erst einmal nach einem geeigneten Plätzchen für die Nacht um und fahren dann nach Lüderitz hinein. Wir wollen uns die Stadt anzuschauen und finden sogar einige deutsche Namen, aber viele Gebäude stehen leer und haben Picture (c) BeeTee - Felsenkirche Lüderitzkaputte oder aber gar keine Fensterscheiben mehr. Lüderitz scheint wie Swakopmund und Walvis Bay ein wenig in die Jahre gekommen zu sein, auch die bewohnten Häuser wirken ein wenig heruntergekommen und auch die offensichtlich nagelneue Lüderitz Waterfront birgt nichts wirklich Interessantes, 50 % der Geschäfte sind zu und der Rest beherbergt Mobilfunk und ähnliches. Der Pier ist unbelebt, kein Wunder, bei dem Wind, und es wimmelt nur so von Verbotsschildern. Wir fahren zum Agate Beach, auch hier eine Menge an Verbotsschildern. Da Lüderitz in der Diamond-Area liegt, sind die Dünengebiete rings herum Sperrgebiete. Vom Hügel der Felsenkirche hat man einen schönen Rundumblick. Picture (c) BeeTee - Blick von Shark Island, LüderitzAllerdings ist es in Lüderitz so trostlos, dass wir uns sicher sind, keine zwei Nächte hier zu verbringen. Wir essen bei Ritzi’s an der Waterfront, das Essen ist sehr gut, aber wir müssen ewig warten, zum Glück hatten wir uns vorher im Spar beim Take Away eine Kleinigkeit geholt. Nach dem Essen fahren wir zurück zur Shark Island, wo der Wind natürlich kein bisschen nachgelassen hat und zu allem Unglück ist der NWR-Angestellte auch noch verschwunden, die Schranke steht offen und wir sind gänzlich unbewacht und völlig alleine auf der Halbinsel. Wir stellen uns auf den zuvor ausgeguckten Platz und bekommen Picture (c) BeeTee - Waterfront Lüderitzkaum das Dachzelt ausgeklappt, so stark weht der Wind. Es ist furchtbar kalt und wir frieren ganz ordentlich. Nach einigen Diskussionen verlegen wir unseren Stellplatz zwischen Toiletten- und Küchen- Häuschen, hier ist die einzige etwas ruhigere, windgeschützte Stelle auf Shark Island, wo es auch Licht hat. Weiter unten gäbe es noch eine kleine Bucht, doch hier war kein Licht weit und breit und das Toilettenhäuschen ist wegen Baufälligkeit abgeschlossen. Die Nacht ist alles andere als angenehm, trotz Klamotten im Zwiebelstil frieren wir erbärmlich und  das Zelt klappert und wackelt fürchterlich und erst nach Picture (c) BeeTee - Shark Island2 Uhr in der Früh lässt der Wind spürbar nach. Dafür riecht es dann aus dem Toilettenhäuschen, von dem wir nur 1 m entfernt stehen. Immer wieder wache ich auf und denke, etwas gehört zu haben und stelle mir vor, räuberische Banden könnten uns hier an diesem doch sehr einsamen Ort ausrauben. Zum ersten Mal, seit wir unterwegs sind, fühlen wir uns zwar nicht gefährdet, aber etwas unbehaglich. Nach 3 Stunden Schlaf frischt der Wind wieder auf und schon vor Sonnenaufgang sind wir froh, dass unsere erste und auch gleichzeitig letzte Nacht in Lüderitz herum ist. Am Morgen stellt sich heraus, dass außer uns noch ein Wohnmobil auf dem Picture (c) BeeTee - Blick von Shark IslandCampingplatz war, aber die Anlage ist so riesig, dass man sich verläuft. Zum Glück scheint wenigstens die Sonne und die Dusche ist heiß und relativ sauber, was sich aber wohl hinter den abgeschlossenen Türen verbirgt ? Wir lassen die vorausgebuchte zweite Nacht verfallen, und fahren ohne Frühstück nach Lüderitz. Zunächst wollen wir noch an den Diaz-Point östlich der Stadt. Wir fahren die verschiedensten Straßen ab, ohne den Weg dahin zu finden und geben dann entnervt auf. Da das Museum nur nachmittags geöffnet hat, verzichten wir auch noch auf diesen Besuch und fahren gleich aus der Stadt hinaus in die nur 20 km entfernte Ghost Town Kolmanskuppe.
Picture (c) BeeTee - KolmannskuppeDer Jugendstilort, der Name wird manchmal auch Kolmannskuppe oder Kolmanskop geschrieben, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für die Diamantminenarbeiter erbaut. Der Name stammte ursprünglich von einem Einheimischen namens Coleman, der hier 1905 mit einem Ochsenkarren strandete und verdurstete. Die Stadt war als Dauersiedlung geplant, und groß und modern angelegt, denn den Facharbeitern, die aus Deutschland angeworben wurden, sollte es an nichts fehlen. Sie sollten nicht bei warmem Bier im Zelt sitzen Picture (c) BeeTee - Kolmannskuppemüssen (denn dann wären sie nicht aus Deutschland gekommen) und so waren die Häuser massiv gebaut, es gab von Anfang an Elektrizität und es existierte sogar eine moderne Stangeneisfabrik. Jede Familie bekam eine halbe Stange Eis gratis pro Tag geliefert. FrischwasserPicture (c) BeeTee - Kolmannskuppe war dagegen sehr teuer, es wurde in Fässern per Schiff aus Kapstadt oder über Land aus Garub herangeschafft und ein Liter Frischwasser kostete dasselbe wie ein halber Liter Bier. Die ersten 20 Liter Frischwasser pro Familienmitglied waren allerdings frei. Brauchwasser wurde in einem riesigen Fass auf einem Hügel über der Stadt gelagert, man verwendete Meerwasser,Picture (c) BeeTee - Kolmannskuppe - Detail welches über die 20 km vom Meer heran gepumpt wurde. Vor allem zum Auswaschen des Sandes und des Kieses bei der Suche nach Diamanten wurde sehr viel Wasser verbraucht. Im Wasser-Reservoir durften die Bewohner an heißen Tagen auch schon mal baden gehen. Später gab es sogar einen Meerwasserpool. Bis zum ersten Weltkrieg wurden in Kolmanskuppe 1000 kg Diamanten gefördert, der Krieg verursachte aber eine Stilllegung, danach ging der Betrieb weiter bis 1928, in diesem Jahr wurden am Oranjefluss sechsmal größere Diamanten gefunden. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis alle ArbeiterPicture (c) BeeTee - Kolmannskuppe - Detail und Angestellten die Siedlung verlassen hatten. Nach 1938 diente Kolmannskuppe nur als Lieferant für Baumaterial für neue Häuser in Lüderitz, die Schienen der Schmalspurbahn wurden herausgerissen und auch die Diamantenwaschanlagen verschrottet und der Schrott nach Japan verkauft. Erst 1980 wurde ein Nachtwächter angestellt und der Ort für Touristen wieder hergerichtet. Wir sind glücklicherweise vor 8:00 Uhr da, zahlen den Eintritt von 84,- N$ für  zwei Personen und durchstreifen den Ort vor der ersten Touristenhorde alleine. Manche Häuser sind so gut erhalten, dass man sofort einziehen könnte, manche sind arg verfallen und Picture (c) BeeTee - Kolmannskuppe - Restaurantgefährlich baufällig. Im ehemaligen Kasino (Kasino im Sinne einer Freizeiteinrichtung) ist die Kegelbahn, die Küche, die Bibliothek, die Turnhalle und der Festsaal noch gut erhalten. Hier ist der gut sortierte Curio-Shop und ein kleines Restaurant untergebracht. Außen an den Häusern ist angeschrieben, wer das Haus bewohnte, Architekt, Buchhalter, Lehrer und Betriebsleiter wohnten in der zweiten Reihe auf dem Hügel in hochherrschaftlichen Häusern. Die Häuser werden nach und nach wieder hergerichtet, sie sind allerdings leer und ohne Möbel oder sonstige Einrichtungsgegenstände. Das ehemalige Ladengeschäft in der Hauptstraße dient alsPicture (c) BeeTee - Kolmannskuppe - Detail Ausstellungsraum für Möbel und Werkzeuge, sowie als Galerie. Möbel und Werkzeuge sind allerdings nicht original, sie wurden später gekauft oder gespendet. Da zu der Blütezeit Kolmannskuppes die Möbel aus deutschen Holz mit deutschem Werkzeug und von deutschen Handwerkern gebaut wurden, konnte man im Nachhinein nicht mehr feststellen, ob das Mobiliar importiert oder im Land hergestellt worden war.  Wir frühstücken vor der Weiterfahrt nach Keetmannshoop noch im hübschen Restaurant und sehen die Touristengruppen sich sammeln und abmarschieren, eine deutschsprachige und eine englischsprachige Gruppe, zusammen getrommelt iPicture (c) BeeTee - Kolmannskuppe - Detailm Festsaal, wir fühlen uns sehr an den Touristenrummel in unserer Heimatstadt Heidelberg erinnert. Nach dem Frühstück schauen wir uns das Kasino noch mal genauer an, vor allem die riesigen Dimensionen der Küche sind erstaunlich. In seiner Blütezeit hatte der Ort 300 erwachsene Einwohner und 40 Kinder und das Kasino war der einzige Ort, wo man etwas Abwechslung fand. Dazu gehörten auch diverse Festivitäten, Sportveranstaltungen und das Kegeln in der Kasino eigenen Kegelbahn. Es gab außerdem  noch im Ort ein Krankenhaus und die damals einzigste Röntgenstation auf der Südhalbkugel. Alles, was man damals Picture (c) BeeTee - Kolmannskuppe - Detailunter dem Begriff Luxus verstand, wurde aus Deutschland mit dem Schiff angeliefert. Wo zuvor nur Sand war, entstand durch den Reichtum, der mit den Diamanten erwirtschaftet wurde, die reichste Stadt Afrikas. Zum Abschluss besichtigen wir das Ladengeschäft / Museum, den General Dealer an der Hauptstraße. Den Besuch kann man nur wärmstens empfehlen, eine Reihe Original-Fotografien zeigt das alltägliche Leben. Ein wenig versöhnt mit Lüderitz fahren wir um die Mittagszeit weiter nach Keetmanshoop.

Galerie des Tages
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