|
Über die C 27 fahren wir von Sesriem in Richtung Aus nach Süden, zum ersten Mal, seit wir in Namibia sind, ist die Fahrt ein wenig langweilig, auch die Durchquerung des Namib Rand Reserves bringt keine Abwechslung, immer wieder nur neue Farm-Tore mit Viehgittern, die zum Abbremsen zwingen. Den Abstecher nach Schloss Duwisib bereuen wir, kaum haben wir das Schloss entdeckt. Auf eine Besichtigung von innen verzichten wir, an der Public Campsite der Duwisib Farm frühstücken wir aber. Auf jeden Fall taucht das Schloss nicht wie eine Fata Morgana aus dem Nichts auf, wie im Reiseführer beschrieben, und es ist ziemlich klein. Das skurrile B auwerk wurde hier, mitten im Nichts, vom deutschen Baron von Wolf in den Jahren 1907/1908 für seine amerikanische Ehefrau erbaut, alle Einrichtungsgegenstände mussten mühsam auf Ochsenwagen hierher geschleppt werden. Nebenbei betrieb der Baron auch noch eine Pferdezucht mit Vollblütern. Nachdem er 1916 gefallen war kehrte seine Frau nie wieder hierhin zurück. Das Schloss wurde in den letzten Jahren renoviert und es bietet außer einem Restaurant auch die Möglichkeit, hier zu übernachten. Wir fahren weiter und kommen durch Helmeringhausen, hie gibt es ein Freiluft-Museum und der Ort sieht typisch deutsch aus. Die letzten 60 km über die C 13 nach Aus ziehen sich wie Kaugummi, nur eine namibische Familie mit einem platten Reifen, der wir eine Flasche Wasser schenken, unterbricht die Fahrt. In Aus tanken wir, die Tankstelle ist gleichzeitig auch wieder General Dealer und auch noch Restaurant. Außer der Tankstelle gibt es noch das Hotel am Bahnhof, der Ort ist sauber, es gibt viele Blumen und wären da nicht die dunkelhäutigen Menschen, man würde glauben, in Deutschland zu sein. Die Überreste des Kriegsgefangenenlagers lassen wir auch aus, hier wurden 4 km von Aus entfernt 1915 1500 Soldaten der deutschen Schutztruppe interniert. Im zunächst als Zeltcamp angelegten Lager starben viele Gefangene und auch Wärter durch das raue Klima, erst später wurden Baracken für die Gefangenen gebaut, die dadurch besser als ihre Aufpasser lebten. Außer ein paar Steinhaufen ist aber nichts mehr zu sehen und die interessieren uns nicht so sehr. Zurück auf der Straße fahren wir auf der B 4 nach Lüderitz. 22 km nach Aus geht es rechts zu den wilden Pferden von Garub (S26 36.451 E16 04.242). Der kleine Abstecher war nicht geplant und ich hielt die Geschichte mit den wilden Pferden auch eher für eine Mär. Um so überraschter sind wir, als wir die Pferde tatsächlich nicht weit von einer der Haupt-Durchgangsstraßen Namibias entdecken. Nachdem auf der Straße zunächst Schilder warnten vor Pferden, Oryxen und später noch vor Hyänen, tauchen in einem Tal hinter dem ersten Hügel mindestens 70 Pferde auf. (Die Hyänen und die Oryx-Antilopen finden wir leider nicht....) Von einem stabilen Beobachtungsstand aus kann man sie an der Wasserstelle beobachten. Eintritt wird nicht verlangt und es gibt auch keinen Ranger. Die Pferde stammen nicht aus der Zucht des Barons von Wolf, wie früher angenommen wurde und auch nicht aus den Beständen der deutschen Schutztruppe. Sie stammen, mit Gentests nachgewiesen, aus den Ställen der südafrikanischen Armee und wurden bei einem Luftangriff zu Beginn des ersten Weltkrieges versprengt. Es waren einmal wesentlich mehr als die heute geschätzten 80-100 Tiere, in Zeiten schlimmster Dürre wurden viele durch die Regierung eingefangen und verkauft. Das Licht ist heute leider nicht so ideal zum Fotografieren, aber es ist eine Freude, den wilden, ungebändigten Tieren zuzuschauen. Die Pferde sind herrlich anzusehen, sie sehen gesund und wohlgenährt aus und es gibt mindestens 4 oder 5 Fohlen. Sie müssen sich in den knapp hundert Jahren, in denen sie in der Namib-Wüste leben, wirklich gut an das Klima angepasst haben. Trotz der Mittagshitze gibt es einige Schaukämpfe übermütiger junger Hengste. Über eine Stunde sitzen wir im Unterstand, in dem auch die Geschichte der Tiere dokumentiert ist. Garub oder Garup war einst eine Bahnstation an der Strecke Aus-Lüderitz. Da es in Lüderitz kein Wasser gab, wurde es in Fässern dorthin transportiert, eine Reise über 120 km. Die stillgelegte Bahnstrecke wird in diesen Tagen gerade wieder aktiviert und wir sahen rege Bautätigkeit entlang der Strecke in Aus, in Kolmanskop und in Lüderitz. Nachdem wir die Tiere gesehen haben, fahren wir langsamer als die erlaubten 120 km/h in Richtung Lüderitz, man weiß ja nie....
 |
|