|
In der Nacht kühlt es gut ab und es ist richtig feucht. Die Aba Huab Campsite ist in dicken Nebel gehüllt. Am Morgen sind wir um 7:30 schon unterwegs nach Twyvelfontein und dem Burnt Mountain, dem verbrannten Berg. Die Landschaft ist fantastisch, die Berge sind noch in Nebel gehüllt. Der Kontrast der roten Berge mit dem hellen Gras und dem blauen Himmel ist gigantisch. In Twyvelfontein sind wir um kurz vor 8 die Ersten, der Guide kommt erst angerannt und öffnet das Tor für uns. Da es noch so früh ist, sind die 10.000 Jahre alten Felszeichnungen und Malereien (übrigens eine Seltenheit, beides zusammen anzutreffen) gut zu sehen. Löwen, Rhinos, Giraffen, Zebras, Antilopen, Oryxe.... aber auch abstrakte Gebilde und Hand- oder Fußabdrücke sind deutlich zu erkennen. Die Tour dauert ca. eine Stunde, unser Guide friert offensichtlich und hat seine Kapuze übergestreift (es darf hier nur mit Guide gegangen wer den, Twyvelfontein ist Namibias erstes National Heritage, welches von der UNESCO als Weltwunder anerkannt ist). Um 9 schwitzen wir schon ganz kräftig, obwohl die Route nicht sehr anstrengend ist und an der Fountain sind wir froh über ein wenig Abkühlung. Froh sind wir auch, so früh gekommen zu sein, denn nach uns staut es sich schon, es darf immer nur eine bestimmte Anzahl Besucher auf einmal auf der Strecke sein. Auch die Berge rings herum sehen im Morgenlicht fantastisch aus. Am Abend zuvor war es leider zu diesig gewesen, bei klarem Wetter leuchten die Wände des Twyvelfontein-Massiv in allen Rot-Tönen. In der Nacht müssen die Elefanten hier gewesen sein, es gibt sie also doch, frischer Dung und abgerissene Zweige sind deutliche Zeichen. Die Tiere müssen richtige Kletterkünstler sein, denn sie sind bis hoch in die Felsen gelangt. Das Wasser muss sicher anziehend auf sie wirken, denn der Aba Huab River ist knochentrocken. Unser Guide bringt uns wohlbehalten zurück ins Besuche rzentrum, hier kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten, um die Mitglieder der örtlichen Kooperative, die Twyvelfontein betreut, zu unterstützen. Auch hier ist es blitzblank sauber und die Toiletten, in einzigartigem Metall-Design gehalten, muss man gesehen haben. Wir fahren um den Berg herum zum Burnt Mountain, er ist nicht wirklich verbrannt, aber eine bestimmte Zusammensetzung an Mineralien gibt ihm diese Aussehen. Anstelle zurück zu fahren, nehmen wir die Off-Road Strecke zu den Orgelpfeifen, einzigartigen Basaltsäulen, und nach Soris-So ris, auf der Karte ist hier nur ein Bottle Store eingetragen und so trostlos sieht der Ort auch aus. Aber die Strecke ist toll zu fahren, auch wenn wir den 4x4 Antrieb (strictly required!) nicht brauchen. Durchs Flussbett des Ugab River fahren wir nicht, denn unsere Autovermieter haben uns keine Sandbleche mitgegeben („die benötigt Ihr sowieso nicht“) obwohl wir sie bestellt hatten und hier hätten wir sie sicher irgendwann benötigt. Für solche Abenteuer ist die Strecke zu einsam und die Gefahr einer plötzlichen un d nicht ganz ungefährlichen Begegnung mit den Wüstenelefanten, die das trockene Flussbett als Strasse nutzen, zu groß. In Uis stellen wir fest, dass wir zwei Unterkünfte direkt nebeneinander gebucht haben, es gibt zwei Brandberg Rest Camps, eines in Uis, eines am Berg gelegen. Das White Lady Restcamp, welches wir für die heutige Nacht gebucht haben ( € 10,-) ist trostlos, das daneben gelegene Brandberg Restcamp, versehentlich gebucht, sieht noch schlimmer aus ( € 10,-) und so beschließen wir, beide Buchungen verfallen zu lassen und zum Berg hinaus zu fahren. Es war ein guter Entschluss, denn die Brandberg Rest Camp & Lodge ist ein Glücksgriff. Wir beschließen, uns für zwei Nächte ein Zimmer zu nehmen, denn hier gibt es wirklich Elefanten und zwar nicht zu wenig, außer den ständig im Tal beheimateten Tieren befinden sich auch die Elefanten aus Aba Huab hier, sie fanden wohl dort kein Wasser mehr und außerdem noch ein Einzelgänger, angeblich Namibias größter Elefant. Dadurch ist es im Tal sehr eng und die Elefanten sind manchmal aggressiv und man sollte wirklich jeden Meter fahren. Wenn das Dachzelt aber einmal aufgebaut ist, können wir nicht mehr wegfahren und kämen auch nicht zur Lodge, denn die ist 1 km von der Campsite entfernt. Auch die Bugalows mit den Zimmern sind noch 500 m vom Haupthaus entfernt. Nach einem Mittagsschlaf (Luxus!) fahren wir aufs Gelände und finden, endlich, eine Gruppe der über 40 Elefanten, die hier leben. Einige ältere Tiere mit einem Jungtier fressen entlang des Flussbettes an den Bäumen. Wir folgen ihnen über eine Stunde mit respektvollem Abstand, durch das viele Grün sind sie schwer zu fotografieren, aber wir können sie gut beobachten. Das Jungtier wird von den anderen richtiggehend abgeschirmt. Die ans optimal an das Wüstenklima angepassten Tiere fressen, was das Zeug hält und marschieren dann in das Flussbett des Ugab Rivers, aber inzwischen ist es sowieso dunkel geworden und Zeit für den Sundowner in der Lodge. Ein zahmes Erdmännchen, das Wahrzeichen der Lodge, und ein Springbock, ebenso zahm, sorgen für die passende Unterhaltung zum Drink. Das Abendessen ist sehr gut, 3 Gänge, paniertes Game-Schnitzel und Game Stroganoff mit leckeren Kartoffeln und Dessert. Wir fahren zurück zum Bungalow und überlegen uns noch, ob das Pärchen, das ohne Auto unterwegs ist, wohl die richtige Entscheidung getroffen hat. Kaum sind wir durch die 300 m Sträucher gefahren, die dicht rechts und links der Strecke stehen, überquert hinter uns und vor dem nächsten Wagen eine ganze Herde Elefanten die Straße, sie sind im Scheinwerferlicht gut zu sehen, es sind bestimmt 20 Tiere. Am nächsten Morgen beim Frühstück erfahren wir; dass das Paar tatsächlich zu Fuß unterwegs war, sie versuchten zur Lodge zurück zu kommen, hinter ihn en waren aber auch Elefanten, mit Mühe konnten sie unversehrt zurückkommen, ein Angestellter der Lodge brachte die beiden, zu Tode erschrocken, zu ihrem Quartier. In der Nacht bekommen wir Besuch durch die Elefanten, sie fressen am Baum direkt vor dem Zimmer und hinter dem Bad, mehrfach stehe ich auf, um sie zu beobachten. Dazwischen kommt auch einer der Lodge-eigenen Esel auf den Rasen zum Grasen. Um 6 Uhr wache ich auf, weil der Donkey hinter dem Bad eingeheizt wird, der gute Mann erschrickt sich sehr, denn direkt hinter dem Haus fressen immer noch die Elefanten. Ihre Fußabdrücke sind gut über unseren von gestern zu erkennen. Beim Frühstück erfahren wir außerdem, dass die Elefanten auch die Campsite besucht haben, ein Ehepaar erzählt uns, dass sie zweimal aus dem Dachzelt geklettert sind und kaum ein Auge zugemacht haben, die Elefanten haben ihre Wasserleitung aus dem Boden gerissen, direkt neben dem Auto, ein anders Paar wäre mit aufgeklapptem Dachzelt sogar weggefahren. Gut, dass wir uns ein Zimmer genommen haben, so können wir außerdem direkt nach dem Frühstück einen Elephant Drive unternehmen. Wir fahren außerdem an den Berg zur White Lady, für einen 3 – 4 Stunden Marsch ist es uns aber entschieden zu heiß, vielleicht morgen? Wir fahren weiter den 4x4 Trail und bevor ich mich versehen kann, landen wir doch im Flussbett, nun heißt es Augen zu und durch, ja nicht den Fuß vom Gas. Nach 2 km ist eine Ausfahrt gefunden und wir sind nicht stecken geblieben! Puh. Nun fange ich an, unseren Autoverleiher richtig zu hassen. Wir wären zwar nicht weit weg von der Zivilisation gewesen, hätten wir uns festgefahren, aber dennoch wäre es peinlich und anstrengend geworden. Zurück zur Lodge geht es dann auf der normalen Gravel Road. Nach einem ruhigen Nachmittag, wir wollen uns grad auf den Weg an den Pool machen, auf ei nmal großes Geschrei, der Polo der Lodgearbeiter kommt angedüst „Elephant, Elephant, the biggest Elephant of Namibia“ und tatsächlich, er überquert den Weg zum Haupthaus und verschwindet schnell wieder im Grün. Die Jungs sind stolz auf ihre Leistung, sie haben den Einzelgänger wohl mit Schreien in die Richtung der Bungalows gejagt, und ein wenig eine Mutprobe versucht, was wir nicht so toll finden, aber es geht uns ja auch nichts an. Zwei von ihnen haben uns gestern das Auto gewaschen, heute bekommen sie noch unser restliches Brot und jeder eines unserer T-Shirts. Wir haben das Auto ausgeladen, um an die warmen Sachen zu kommen, die gan z weit hinten verstaut sind, wir werden sie für Swakopmund leider benötigen. Dabei haben sie auch die Werbe-T-Shirts gesehen, schnell kommen weitere Abnehmer herbei. Auch das nächste Abendessen ist wieder fantastisch, weil es so gut war, nehmen wir wieder das Game-Schnitzel, diesmal ist es Oryx und mit leckerer Soße. Auch das Erdmännchen ist wieder mit von der Partie, diesmal sogar mit dem Nachwuchs, der stolz vom Lodge-Eigentümer präsentiert wird. Die Nacht ist „leider“ ruhig, es gibt keinen Elefantenbesuch, nur der Esel ist wieder unterwegs auf dem Rasen. Es war auf jeden Fall eine ganz andere Erfahrung mit diesen Elefanten als mit denen im Etosha oder i m Kruger Park, sie sind einfach noch ein bisschen wilder, als ihre Genossen. Sie haben aber auch einen wesentlich härteren Kampf ums Überleben als diese, die behütet und bewacht werden und denen immer genügend Wasser zur Verfügung steht. Ob das besser ist, wissen wir auch nicht, denn jedes Jahr, sobald die Regenzeit beginnt, brechen genügend Elefanten im Norden des Etosha Parks aus und wandern in Richtung Skelettküste, auch wenn hier nicht immer garantiert Wasser zu finden ist und nicht immer alle Tiere den beschwerlichen Weg durch die trockene Wüste schaffen. Wir haben die zwei Tage, auch wenn sie nicht ganz preiswert waren, genossen. Die Brandberg White Lady Lodge am Fuß von Namibias höchstem Berg mit Blick auf das Brandberg Massiv ist eine Oase der Ruhe, gepaart mit dem Abenteuer der Wüstenelefanten. Wo hat man denn in Namibia die Möglichkeit, die Tiere vom Balkon aus zu beobachten? Hier passt wirklich alles, freundliches Personal, schöne Umgebung, Pools, ansprechende Zimmer, gutes Essen, .... Was will man mehr? Hier geht es zur umfangreichen Foto-Galerie >>>>>>
|